Von Bernie Sanders lernen: Augenhöhe mit Unterstützern

Dr. Thomas Hofer

Thomas Hofer

Die USA sind das Mutterland der Grassroots-Mobilisierung. Im Vorwahlkampf zu den Präsidentschaftswahlen hat derdemokratische Kandidat Bernie Sanders eine überraschend große und lebendige Bürgerbewegung mobilisiert.

Der österreichische Politikberater Thomas Hofer, der als externer Referent in diesem Jahr wieder unsere Ausbildung zum Corporate Grassroots Manager bereichert, ist DER österreichische US-Kampagnen Profi. Für unseren Diskurs stellen wir Thomas Hofer drei Fragen.

1. Thomas, was ist das Besondere am Kandidatenwahlkampf von Bernie Sanders?
Obwohl Hillary Clinton wohl erwartungsgemäß die Nominierung der Demokraten bekommen wird, war es Sanders, der die Parteibasis emotionalisiert hat. Er hat es im Gegensatz zu Clinton geschafft, seine Anhänger und nicht sich selbst ins Zentrum der Kampagne zu rücken. So ist er trotz seines ursprünglich schlechten Bekanntheitsgrades und vergleichsweise hohen Alters derjenige gewesen, der gefühlt den sensationellen Grassroots-Kampagnen Barack Obamas aus den Wahljahren 2008 und 2012 viel näher gekommen ist als Clinton.

2. Was ist aus Deiner Sicht der entscheidende Erfolgsfaktor seiner gewaltigen, flächendeckenden Mobilisierung von Freiwilligen?
Er hat immer das Gefühl vermittelt, dass für ihn die Menschen im Zentrum stehen und nicht er als Kandidat. Clinton spricht von sich als „Champion“ für
die unterprivilegierten Massen. Das ist zwar wohl gut gemeint, hat aber den gönnerhaften Kandidaten-Touch der neunziger Jahre. Sanders dagegen ist in der Kampagnenwelt des 21. Jahrhunderts angekommen. Er hat eben die Lektion Obamas gelernt, der seiner Fangemeinde immer auf Augenhöhe begegnet ist. Nun wird er zwar nicht der Nominierte sein, gerade weil Clinton von vielen bessere Chancen im Match gegen die Republikaner zugetraut werden. Aber als Underdog, dem niemand etwas zutraute, hat er die haushohe Favoritin gehörig ins Schwitzen gebracht. Clinton muss für den November aus ihrem nach 2008 schon wieder zu Tage getretenen Enthusiasmus-Defizit erst die Lehren ziehen.

3. Du bist ja der regelmäßige „Stargast“ in unserer Ausbildung zum Corporate Grassroots Manager. Was können wir von solchen US-Kampagnen lernen, wenn wir im Auftrag von Unternehmen und Organisationen in Europa arbeiten?
Sehr viel, z. B., dass Kampagnen, die auf Zahlen, Daten und Fakten beruhen, nicht zum Ziel führen. Es braucht auch immer den ehrlichen und emotionalen Anknüpfungspunkt für diejenigen, die mitmachen sollen. Viele Unternehmen und Organisationen haben die Kraft, die in einer solchen Mobilisierung steckt, bei uns noch immer nicht entdeckt. Versteht man den Ansatz richtig, kann man natürlich auch bei uns in Europa seine Positionen effektiver kommunizieren.

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